Schola Ludens

von Prof. Horst Schiffler

 

Inhalt

 

Zur Geschichte des Unterrichtsspiels

Obwohl seit der Antike immer wieder die Anregung zu finden ist, das Lernen der Kinder durch Spiele zu motivieren, begannen sie sich erst ab dem 18. Jahrhundert als unbestrittene Lernform und Methode durchzusetzen. Die Lebensphase, die den Kindern zum Spielen zugestanden wurde, dauerte bis in die Neuzeit nicht sehr lange, denn für einen Teil der Kinder begann mit sechs oder sieben Jahren der Ernst der Kloster- oder Lateinschule, für den weitaus größeren der Ernst des Lebens, denn die Bauernkinder auf dem Land und die ärmeren Kinder in der Stadt wurden schon früh in Verrichtungen der Lebenserhaltung und der täglichen Arbeit einbezogen. Freizeit als Spielzeit war karg bemessen.

Die mittelalterliche Schule verstand sich als ein Ort des Ernstes und der Strenge, das Lernen war methodisch wenig anspruchsvoll. Bei Autoren der Antike und bei Kirchenlehrern des Mittelalters werden nützliche und ehrbare Spiele von gefährlichen und sündhaften unterschieden. Die Tatsache, dass manche Spiele, insbesondere das Glücksspiel, als teuflisch verdammt wurden, trug dazu bei, dass das Spiel überhaupt oft misstrauisch betrachtet wurde. Noch in der beginnenden Neuzeit, im Jahre 1494, reimt Sebastian Brant:

"Spiel kann wohl niemals sein ohn Sünd,
Ein Spieler ist nicht Gottes Kind:
Denn Spieler all des Teufels sind!" 1

Einen ganz anderen Ton schlägt Luther an. In seinem berühmten Schreiben "An die Bürgermeister und Ratsherren aller Städte deutschen Landes, dass sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen", heiß es: "Weil denn das junge Volk muss lecken und springen, oder je etwas zu schaffen haben, da es Lust innen hat, warum sollte man denn ihm nicht solche Schulen zurichten? Sintemal es jetzt von Gottes Gnade alles so zugerichtet ist, dass die Kinder mit Lust und Spiel lernen können, es seien Sprachen oder andre Künste oder Historien."

Sebastian Brant, Das Narrenschiff, Frankfurter Ausg. 1566


Die Humanisten jener Zeit sahen im sog. Schulspiel, der dramatischen Aufführung antiker Autoren durch die Schüler der Lateinschulen, ein Mittel der Motivation zum Erlernen der klassischen Sprachen. Eine besondere Pflege erfuhr das Schultheater an den Jesuitenschulen. Diese Entwicklung kam im 18. Jahrhundert zum Erliegen: In Preußen untersagte Friedrich Wilhelm I. 1718 die Theateraufführungen, den Jesuiten verbot Maria Theresia 1768 das Schulbühnenspiel.

J. A. Comenius, Orbis pictus 1658


Der englische Philosoph John Locke beschreibt in einer Erziehungsschrift für die Söhne des Adels 1693 das Spiel ausdrücklich als Lernhilfe und gibt konkrete Spielanregungen. "Ich habe mich stets mit dem Gedanken getragen, dass man das Lernen den Kindern zum Spiel und zur Erholung machen könne.

Ich habe deshalb gedacht, so wie sie gewöhnlich zu keinem Zweck da sind, zu diesem Zweck eingerichtet wären, so könnte man leicht zu Erfindungen kommen, den Knaben lesen zu lehren, während er zu spielen glaubt. 2

In der Aufklärung kam eine Diskussion um Sinn und Wert des Spiels für Erziehung und Unterricht in Gang. Kant beispielsweise sieht im Spiel eine weise Einrichtung der Natur, um die Lebenskraft vor dem Ermatten zu bewahren, was leicht eine Folge von Müßiggang und Nichtstun sein könne. Das Lernen jedoch soll vom Spiel freigehalten werden: "Man ist unter anderem darauf verfallen, die Kinder alles wie im Spiel lernen zu lassen - Dies tut eine ganz verkehrte Wirkung. Das Kind soll spielen, es soll Erholungsstunden haben, aber es muss auch arbeiten lernen." 3 Für Kant soll die Schule nicht nur Erkenntnisse und Fähigkeiten, sondern auch Arbeitshaltung vermitteln. "Es ist von größter Wichtigkeit, dass Kinder arbeiten lernen - und wo anders soll die Neigung zur Arbeit cultiviert werden, als in der Schule?" 4 Unter Kants Zeitgenossen gab es aber auch Vertreter einer gegenteiligen Position. Sie sahen im Spiel eine natürliche, den Kräften des Kindes angemessene Vorstufe zur Arbeit, und der Unterricht soll sich nicht abrupt, sondern schrittweise von einer spielerischen in eine arbeitsmäßige Haltung wandeln. Bei einigen Pädagogen finden sich konkrete Vorschläge, in denen Lernprozesse in Spielabläufe eingekleidet werden, wie beispielsweise das ABC-Spiel von 1776 (s. Abbildung) und die Buchstabenspiele des Pädagogen J.B. Basedow.

 

ABC-Spiel von 1776


Ab der Wende zum 19. Jahrhundert gewann das Phänomen des Spiels zunehmend einen eigenen Stellenwert nicht nur in der Philosophie, sondern auch in der sich aus der Philosophie herauslösenden wissenschaftlichen Pädagogik, wie in anderen der sich ausdifferenzierenden Einzelwissenschaften, z.B. in Psychologie oder Biologie. Im Gegensatz zum Kindergarten, in den durch seinen Schöpfer Friedrich Fröbel das Spiel eingebracht wurde, blieb der praktische Schulbetrieb bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts weitgehend unberührt. In den Köpfen der Herrschenden und der - überwiegend geistlichen - Schulaufsicht herrschte die Kant`sche Position, dass die Schule zur Arbeit cultivieren soll. Außerdem hätten die bestehenden Verhältnisse, insbesondere in den Volksschulen, in denen nicht selten mehr als 80 Schüler in einer Klasse saßen, spielendes Lernen kaum zugelassen.

Im Turnunterricht der Jungen, der ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in den Volksschulen zum Unterrichtsfach wurde, standen Drill und paramilitärische Übungen auf dem Plan, Bewegungsspiele erhielten erst nach dem ersten Weltkrieg einen Platz im Übungsprogramm.

 

Bürgerkinder beim Spiel, Scherenschnitt


Unterrichtsvorbereitendes und schulbegleitendes Lernen mit Hilfe von Spielen gewannen im 19. Jahrhundert vor allem in bürgerlichen Familien immer mehr Verbreitung. ABC-Spiele, 1x1-Rechenspiele, und andere Lernspiele wurden zu beliebten Verlagsprodukten. Das Papiertheater und die dazugehörigen Bilderbogen wurden als Unterhaltungs- und Bildungsmedium beliebt und fanden zwischen 1870 und 1910 weite Verbreitung.

Als schulpädagogisches Phänomen erhielt das Spiel einen entscheidenden Anstoß durch die reformpädagogischen Strömungen im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Die grundlegende Position einer "Pädagogik vom Kinde aus", verbunden mit der Forderung nach Berücksichtigung der kindlichen Spontaneität und dem Anspruch auf natürliche Selbstentfaltung und aktives, handelndes Lernen lenkten automatisch das Interesse auf das Spiel. Auch der Bildungsansatz der "Musischen Erziehung" führte zu einer Aufwertung des Spiels in der Form des Schultheaters, des darstellenden Spiels in allen seinen Varianten. Bis solche Ideen an den Lehrerbildungsanstalten vermittelt und in die Schulpraxis eingedrungen sind, vergeht Zeit, so dass sich, bis sich der Nationalsozialismus die Schule aneignete, ein recht unterschiedliches Bild bot; wo Lehrer und Rektoren selbst von reformpädagogischem Geist durchdrungen waren, konnten sich auch Spielaktivitäten entfalten, an anderen Schulen - besonders an Gymnasien - blieb die alte Lernschule erhalten.

Der sogenannte Sputnik-Schock von 1957, die Überraschung der westlichen Welt über die Tatsache, dass die Sowjetunion als Erste einen künstlichen Satelliten in den Weltraum befördert hatte, lenkte erst in den USA, dann auch in Europa die Aufmerksamkeit auf die nationalen Bildungssysteme. In den 60ger Jahren wurden im deutschen Bildungswesen viele Schwachstellen festgestellt. Schlagworte wie Bildungsnotstand, kognitive Förderung, Vorschulerziehung, Frühlesen, Oberstufenreform, Kreativität bestimmten die schulpädagogische Diskussion. Im Zuge der einsetzenden Reformen wurde auch das Spiel als unverzichtbares didaktisches Mittel herausgestellt. Die Produktion von spieldidaktischer Literatur, von Spielmitteln und Spielanregungen in Buch- und Karteiform erreichte gigantische Ausmaße. Kein Schulfach, kein Lernzielbereich blieb ausgespart, auch der Schulhof wurde als Spielhof entdeckt und mancherorts spielfreundlich umgestaltet.

Gegen die Schulspieleuphorie richteten sich bald auch begründete Bedenken; man sprach sogar von einer Perversion des Spiels. 5 Es ist jedenfalls fragwürdig, wenn jede unterrichtliche Aktion, die mit irgendwelchem Material verknüpft ist, den Kindern als Spiel angedient wird; ebenso fragwürdig sind die Spielmittel, deren Spielwert so bescheiden ist, dass sie die Lust am Spiel eher töten als wecken. Kritisch gesehen hat man auch die Tatsache, dass Spielsituationen oft durch Lernziel- und Zeitvorgaben determiniert und die Partnerwahl eingeschränkt waren und so das Wesen des Spiels als freier, selbstbestimmter Handlung in Frage gestellt war. Die zuweilen geäußerte Schülerfrage: "Müssen wir heute wieder spielen?" bringt die Kritik auf den Punkt.

 

Schule und Unterricht als Spielthema

 

Etwa ab dem dritten Lebensjahr beginnen Kinder im Rollenspiel Personen und Vorgänge aus ihrer Umwelt nachzuahmen. Nach verschiedenen psychologischen Spieltheorien haben solche Spiele wichtige Funktionen für die Entwicklung der Heranwachsenden; sie werden als Vorübung für zukünftiges Verhalten, als entwicklungsgemäße Form der Umweltaneignung (Assimilation bei Piaget) oder als Möglichkeit der Problembewältigung (S. Freud) gedeutet. Die Schule ist in dem Maße zum Thema für Spiele geworden, wie sie zum Erfahrungsbestand der Kinder wurde, d.h. bis zum 18. Jahrhundert, bis zur Einführung der Schulpflicht, war die Schule bestenfalls für einen ganz kleinen Teil der Kinder eine Herausforderung zur spielerischen Auseinandersetzung. Das um die Mitte des 17. Jahrhunderts entstandene Ölgemälde "Kinder bringen einer Katze das Lesen bei" des niederländischen Malers Jan Steen widerspricht dieser These nicht, denn in den protestantischen Niederlanden hatte sich, unbeeinträchtigt durch die Wirren des dreißigjährigen Krieges, das Schulwesen auch in ländlichen Regionen verbreitet und Schulunterricht war schon zu jener Zeit dort eine verbreitete Kindererfahrung.

 

Schule spielen, Holzstich, um 1870


In Deutschland findet man eine relativ große Zahl bildlicher Darstellungen des Themas "Schule-spielen" aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Volksschule war nun zu einem selbstverständlichen Phänomen geworden, die soziale Entwicklung machte es möglich, den Kindern freie Spielzeit zuzugestehen. Die enorme Kinderzahl in den Familien ließ es an Spielgefährten nicht mangeln, und das Schule-spielen setzte keine teuren Requisiten voraus. Sich selbst einmal spielend die Autorität des Lehrers anzueignen oder den jüngeren Nachbarskindern das eigene Wissen zu demonstrieren, mag für einen in der Schulrealität eher geängstigten oder wenig erfolgsverwöhnten Schüler durchaus eine psychohygienische Wirkung besessen haben. Mitspieler sind in den Bilddarstellungen nicht nur andere Kinder, sondern auch Puppen und Haustiere, die die Schülerrolle zu übernehmen hatten.

Aus der Zeit nach 1870 ist auch Spielzeug überliefert, das sich auf die Welt der Schule bezieht. Für die Kinder des wohlhabenden Bürgertums wurden Puppen in typischer Schulkleidung angeboten, dazu die Miniaturform üblicher Schulutensilien wie Hefte, Zeugnisse, Bleistifte oder Schulranzen. In dieser Zeit fand auch zunehmend das Klassenzimmer als Puppenstube Beachtung, das bis heute in vielen Varianten auf dem Markt ist. Erstaunlich sind in unserer Zeit die zahlreichen kitschigen Modelle, die zum Teil kaum noch einen Spielwert besitzen, sondern Sammlerinteressen bedienen oder den Nippes bereichern; mit einer Schulklasse in der Streichholzschachtel oder einer aus Porzellan ist nicht mehr zu spielen, und eine Engelsschule mit dem Nikolaus als Lehrer, die Marienkäfer- oder die Ponyschule berühren ohne Zweifel auch Geschmacksfragen.

 

Deckel eines Würfelspiels, um 1925


Es ist interessant zu beobachten, wie sich in den ernstzunehmenden Puppenschulen die Schulrealität der Entstehungszeit spiegelt; in den Puppenklassen vom Anfang des 20. Jahrhunderts findet man beispielsweise mehrsitzige Schulbänke und Gestelltafeln, während die Playmobil-Ausführung Tische, Stühle und Wandtafel aufweist, wie sie ab den 60ger Jahren für alle Klassenstufen in Gebrauch kamen.

 

Spielformen als Lernhilfe

 

Das Spiel begegnet uns in unterschiedlichen Erscheinungsformen. Mit jeder dieser Formen sind andere Verhaltensweisen verbunden und damit andere Fähigkeiten gefordert; die einen benötigen körperlichen, die anderen eher geistigen Einsatz, bei manchen ist Wissen gefordert, wieder andere setzen Verwandlungsfähigkeit und Kreativität voraus. Alle Spiele mit mehreren Teilnehmern bedürfen der sozialen Kompetenz. Mit dem Anwachsen der Aufgaben und Ziele der Schule verbreiterte sich auch das didaktische Interesse an den Spielformen. Eine Schule, der es um soziale Integration, individuelles Lernen, entdeckenden Unterricht geht, erkennt in ganz anderen Spielformen Bundesgenossen als eine Schule, die überwiegend die Aneignung von Wissen zum Ziel hat. Mit der Schulreformdiskussion, die in den sechziger Jahren einsetzte, entfaltete sich auch die Spieldidaktik in einer Weise, dass praktisch jede bekannte Spielform für einen Schulzusammenhang legitimiert und aufbereitet wurde; selbst sogenannte Simulationsspiele wie das aus dem Militärwesen stammende Planspiel wurden in unterrichtstaugliche Form gebracht und in Beispielsammlungen an die Lehrenden herangetragen. 6 Auf die Fülle dessen, was sich im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts in spielpädagogischer Hinsicht entwickelt hat, kann die Ausstellung nur in einer bescheidenen Auswahl eingehen. Einige Spielformen sollen nun kurz beschrieben werden. 7


Freies Spiel

Die Bezeichnung "freies Spiel" entstammt der Kindergartenpädagogik. Im schulpädagogischen Zusammenhang lässt sich "freies Spiel" bestimmen als Spielmöglichkeit im institutionellen Rahmen, bei dem ein relativ hohes Maß an Freiheit bei der Spielauswahl, der Dauer und der Partnerwahl eingeräumt wird. Die klassische Situation ist das Spielen in den großen Pausen. Aber auch Wartezeiten oder geplante Spielphasen, wie sie an einigen Schulen eingerichtet wurden, bieten dem freien Spiel Entfaltungsmöglichkeiten. Die Einsicht, dass solche Angebote das Schulleben bereichern, einem Verfall von Spielkultur entgegen wirken können und soziale Fähigkeiten fördern, hat manche Kultusminister bewogen, durch Erlasse und Broschüren auf eine spielfreundlichere Gestaltung der Schulhöfe hinzuwirken. 8

Obwohl schon J.A. Comenius im 17. Jahrhundert auf den Wert von Unterrichtspausen hingewiesen hat, spielte das Thema bis ins 20. Jahrhundert kaum eine Rolle.

 

Darstellendes Spiel

Das darstellende Spiel hat in der Gestalt des Schulspiels der Humanisten und der Jesuitenschulen eine lange Tradition, die aber einerseits nur die Schüler an Lateinschulen genossen und andererseits im 18. Jahrhundert zum Erliegen kam. Im Laufe des letzten Jahrhunderts gewannen darstellende Spielformen einen neuen schulpädagogischen Wert. Die Kunsterziehungsbewegung propagierte darstellendes Spiel als Gelegenheit für ästhetische Erfahrungen, der Deutschunterricht nutzte es als Methode zur Sprachförderung, Sachunterricht und Religion bedienten sich des Rollenspiels für soziales Lernen und Verhaltenstraining. Außerdem wurde es als diagnostisches und therapeutisches Instrument entdeckt. Außer dem Personenspiel, das nicht selten in Spielgruppen mit dem Ziel einer Schulfestbereicherung getrieben wird, gibt es zu zahlreichen medialen Spielformen didaktische Anregungen: Fingerpuppen-, Stabpuppen-, Handpuppen-, Marionetten-, Schattenspiel, Maskenspiel und Papiertheater warten darauf, von Lehrerinnen und Lehrern in die Praxis umgesetzt zu werden.

 

Papiertheaterspiel, Holzstich 1898


Lernspiel

Mit "Lernspiel" bezeichnet man einerseits eine Spielsituation, die als methodische Hilfe zur Erreichung bestimmter Lernziele im Bereich von Faktenwissen, von Ordnungssystemen und Problemlösungsstrategien beitragen soll, andererseits das dazu erforderliche Spielmittel. Das Lernspiel ist oft abgeleitet von bekannten Brett- oder Kartenspielen, wie Quartett, Domino, Lotto oder Würfelspielen. Die lange unterrichtliche Tradition mit nachgewiesenen Beispielen ab dem 17. Jahrhundert darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass erst das 20. Jahrhundert für diese Spielform die Schultüren geöffnet hat. Unter dem Einfluss reformpädagogischer Bestrebungen haben die Lehrmittelverlage nach dem ersten Weltkrieg vermehrt solche Spiele angeboten.

 

Lernspiel zur Verkehrserziehung


Auch in der Zeit des Nationalsozialismus waren Lernspiele nicht unerwünscht, viele wurden jedoch in den Dienst nationalsozialistischer Ideen gestellt; Spiele mit dem Titel "Ab in den Luftschutzkeller", "Vaterland - Raum und Grenze" oder "Stukas greifen an" sind typische Beispiele dafür.

Ein neuer Impuls für die Lernspielgestaltung ging vom Computer aus. Inzwischen werden seine Möglichkeiten dazu voll genutzt; mit hochauflösender Grafik, Klang und Bewegung in Echtzeit werden alle Altersstufen von der Vorschulzeit bis zum Abitur mit interaktiven Lernspielen bedient.9

Das Projekt Ganztagsschule, das gegenwärtig in Deutschland zumindest als Angebot in die Phase der Realisierung getreten ist, wird die Aktivitäten in der Schule verändern. Es ist zu erwarten, dass das Spiel in dieser Schule einen neuen Stellenwert gewinnt und seine Position als selbstverständlicher Bestandteil des Schullebens bekräftigt wird.

 


Schule spielen, Radierung, um 1880


1. Sebastian Brant, das Narrenschiff, hrsg. von H.J. Mähl, Stuttgart 1964, S. 286
2. zit. nach Hans Scheuerl (Hrsg), Theorien des Spiels. Weinheim und Basel 10. Aufl. 1975, S. 19
3. Scheuerl a.a.O. S. 30
4. Scheuerl a.a.O. S. 31
5. Werner Spies, Perversion des Spiels. In: H. Frommberger, U. Freyhoff, W. Spies (Hrsg), Lernendes Spielen - Spielendes Lernen, Hannover 1976
6. vgl. u.a. Klaus Tiemann, Planspiele für die Schule, Frankfurt a.M. 1969
7. Es wird Bezug genommen auf Horst Schiffler, Spielformen als Lernhilfe, Freiburg 1982 und Horst Schiffler, Schule und Spielen, Ravensburg 1976
8. z.B. Empfehlungen zur freundlichen Gestaltung von Schulpausenhöfen,hrsg. vom Niedersächsischen Kultusminister, Hannover 1978
9. Im Internet wird "Otto`s Lernspiele-Lexikon" mit über 400 Spielen angeboten. Vgl. auch die Computerzeitschrift c`t Januar 2006