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Der Hortus Deliciarum 

Der Hortus Deliciarum der Äbtissin Herrad und die Klosterschule im Mittelalter

Ein Ausstellungsprojekt des Saarl. Schulmuseums Ottweiler


"Hortus deliciarum", "Paradiesgarten", "Garten der Wonnen" hat Herrad von Landsberg, die Äbtissin des Klosters Odilienberg im Elsaß, ihr Buch genannt, das sie zur Belehrung und geistlichen Erbauung für die ihr anvertrauten Novizinnen und Nonnen am Ende des 12. Jahrhunderts verfasst hat. In dem umfangreichen, mit über 300 Miniaturen ausgestatteten Werk erschließt sich uns ein Bildungskosmos, wie er auch für andere lateinische Klöster des Mittelalters gegolten hat. Der Aufbau des Werks, die in dem Text eingestreuten Glossen in mittelhochdeutscher Sprache, die Gestaltung und die Anordnung der Bilder lassen deutlich den didaktischen Anspruch des Werks erkennen. Das Original ist 1870 bei der Belagerung von Straßburg durch die deutschen Truppen zerstört worden. In Kopien aus dem 19. Jahrhundert wurde ein großer Teil des Textes und der Bilder überliefert.


Die Philosophie, umgeben von den 7 freien Künsten


Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine Rekonstruktion des Hortus deliciarum in Gestalt einer mittelalterlichen Prachthandschrift, die der Saarbrücker Historiker Werner Karg erarbeitet und der Kaligraph Karl Schmid in der Schrift des 12. Jahrhunderts geschrieben hat.

Schautafeln zeigen in ausgewählten Beispielen - z. B. zu den 7 freien Künsten oder den 9 Musen - die gestalterische und didaktische Anlage des Buches. Um dieses Zentrum gruppieren sich zwei weitere Ausstellungsteile: die klösterliche Schreibwerkstatt (Scriptorium) und der Unterricht in der Klosterschule.

 

Die Hölle - aus dem Hortus Deliciarum, 12. Jahrh.


In früheren Zeiten, im Mittelalter besonders, war man darum besorgt, dem christlichen Volk die Hölle, den Ort der ewigen Verdamnis, in recht abschreckender Weise darzustellen, wie unser Bild es zeigt. Weil man glaubte, die Hölle befände sich unter dem Erdboden, ist sie ganz von Felsen umrahmt Der Innenraum ist in vier Abstufungen aufgeteilt. Ganz unten, rechts, sehen wir Luzifer, welcher auf seinem Thron mit einer Kette festgehalten wird. Auf seinen Knien sitzt der Antichrist, ganz schmächtig. Neben ihm wird ein Bettelmönch hereingeführt: Die Teufel stopfen diesem feuriges Geld in den Mund. In der zweiten Stufe sehen wir zwei grosse Kessel; in den einen werden Juden, und in den anderen Raubritter geworfen. Weiter oben sehen wir, wie die Verdammten gepeinigt werden je nachdem sie gesündigt hatten: Missbrauch des Geldes, der Zunge, der Ohren, der Kleidung. Wir sehen eine Kindsmörderin und ganz oben einen Selbstmörder, Unzüchtige von Schlangen umgeben, einen Ärgernisgeber mit dem Mühlstein am Hals, und Eitelsüchtige.

In der Ausstellung, die am, April 2000 die Pforten zum "Paradiesgarten" öffnete, hatten die Besucher Gelegenheit am Stehpult Gänsekiele in Tintenhörner zu tauchen und auf pergamentartigem Papier die schwierige Kunst des Schreibens zu probieren.