Nachrichten

Erfreuen und Belehren - Zur Geschichte der Bildmedien im Unterricht

Eine Ausstellung über die Entwicklung visueller Medien im Schulmuseum Ottweiler


Das saarländische Schulmuseum in Ottweiler zeigte vom März bis August 1999 eine Ausstellung über die Entwicklung von Bildmedien im Unterricht. Der Titel verweist auf den von Anfang an im Zentrum pädagogischer Theorien stehenden Gedanken, bei den Schulkindern über den Gebrauch von Bildern Interesse an dem behandelten Thema zu wecken und auf diesem Weg die Aufnahme von Wissen zu erleichtern.

In der Ausstellung wurden unterschiedliche Bildmedien gezeigt, wie sie seit ca. 200 Jahren im Unterricht verwendet wurden. Die Entwicklung dieser visuellen Medien begann mit illustrierten Büchern, in denen Abbildungen die im Text erklärten Zusammenhänge anschaulich vor Augen führen. Neben einer repräsentativen Auswahl solcher Lehrbücher vor allem aus dem 19. und 20. Jh. war mit einem originalen Werk aus dem Jahre 1570 ein sehr frühes Beispiel für solche mit Bildern versehenen Lehrbücher zu sehen; in einer aus dem Jahre 1833 stammenden Ausgabe ist darüber hinaus das für die gesamte Gattung grundlegende Werk des Jan Amos Comenius "Orbis pictus oder Der bebilderte Erdkreis" dokumentiert.

 

Abdrücke von Stempeln, die vom Lehrer im Rahmen des Naturkundeunterrichtes jedem Schüler ins Heft gestempelt wurden, um von diesem dann ausgemalt bzw. beschriftet zu werden.


Die Entwicklung von Bildmedien findet einen Höhepunkt mit der Entstehung der sog. "Schulwandbilder", also großformatiger, vor der Klasse aufzuhängender Bilder mit farbigen, sehr eindrücklichen Darstellungen aus den verschiedensten Themenbereichen. Die Herstellung derartiger Wandbilder - auch in der erforderlichen hohen Anzahl - wurde erst mit der Erfindung der Lithographie um das Jahr 1800 möglich. Die Schulwandbilder wurden etwa ab der Mitte des 19. Jahrhunderts bei verschiedenen Schulformen vielfach gebraucht. Zu ihrer Blütezeit im letzten Drittel des 19. und ersten Drittel des 20. Jahrhunderts gehörten sie mit z.T. mehreren hundert Exemplaren zur Standardausstattung insbesondere der Volksschulen.


Tafel 22 ausder Serie "Hencks farbige Wandbilder für den ersten Anschauungsunterricht", die etwa 1925 herausgegeben wurden. Illustriert sind die Tafeln von der bekannten Kinderbuchillustratorin Gertrud Caspari.


m Gegensatz zu den illustrierten Büchern, die vor allem vor der Erfindung des preisgünstigeren Holzstiches um die Mitte des 19. Jahrhunderts nur Kindern reicherer Schichten zugänglich waren, ermöglichte dieses Medium erstmals auch den Kindern der "breiten Masse" den Zugang zur Vielfalt der Bilder. Einen letzten Aufschwung erfuhr das Medium "Wandbild" unter dem Einfluß von Reformpädagogen wie z.B. Pestalozzi, der in seinem Unterricht dem Prinzip der Anschauung größte Bedeutung beimaß. Zur Anhebung auch der künstlerischen Qualität der Bilder führte dann die sog. "Kunsterziehungsbewegung" vom Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, die besonderes Gewicht auf die ästhetische Erziehung der Kinder legte. Die Ausstellung wird einen Überblick über die einzelnen Gattungen von Schulwandbildern bieten; sie beginnt mit den "Anschauungsbildern" für den Unterricht der ersten Klassen, mit ästhetisch heute noch sehr attraktiven Wandbildern, die bei der Behandlung etwa von Märchen und Fabeln eingesetzt wurden.


 

Schulwandbild "Dornröschen", 1950


Vor allem Szenen aus dem Alltag ermöglichen darüber hinaus interessante Einblicke in die Lebensumwelt früherer Zeiten. Daran anschließend werden Wandbilder zu dem Fach Geschichte gezeigt werden, deren Darstellungen z.T. sehr deutlich die verschiedenen politischen Ideologien von der Kaiserzeit über die Weimarer Zeit, die NS-Zeit und die Nachkriegszeit bis hin in die "Wirtschaftswunderzeit" und die sechziger Jahre widerspiegeln. Neben Wandbildern, die im Sprach-, Musik- und Kunstunterricht verwendet wurden, werden auch Bilder zur Wirtschaft und Technik zu sehen sein; diese stellen nicht nur sehr anschaulich die jeweiligen neuesten Erfindungen, Verfahren oder wissenschaftlichen Erkenntnisse dar, an der Art der Darstellung ist z.T. auch die jeweilige zeitgenössische Einstellung zu solchen technologischen oder industriellen Entwicklungen zu erkennen. Dies ermöglicht interessante Gegenüberstellungen wie z.B. die des früheren bedingungslosen Fortschrittsglaubens und der erst sehr viel später aufgekommenen kritischen Distanz zu technischen Entwicklungen. Zu einem abgerundeten Gesamtbild werden letztlich auch Wandtafeln aus einem naturwissenschaftlichen Fach wie der Biologie beitragen, an denen die sich mit der Zeit wandelnde, zunehmend wissenschaftlicher werdende Vermittlung von Kenntnissen über die Natur ablesen läßt.

Die Entwicklung technischer Verfahren zur Bildherstellung und -präsentation leitete dann das Ende der Wandbilder ein. Zu nennen sind hier insbesondere die Erfindung der Fotografie, die u.a. die einfache Herstellung großer Mengen von Lichtbildern bzw. Dias ermöglichte und die damit einhergehende Entwicklung der zugehörigen Projektionsapparate. So wird in der Ausstellung neben verschiedenen moderneren Geräten auch einer der frühesten "Diaprojektoren", eine Laterna Magica aus dem Jahre 1890 zu sehen sein. Eine kurze Diashow wird einen Überblick über die verschiedenen Formen in der Schule verwendeter Lichtbilder sowie die Bandbreite der in diesem Medium dargestellten Themen bieten.

Werbung für Filmvorführgeräte bzw. Epidiaskope (mit diesen Geräten konnten entweder Dias oder Einzelseiten aus Büchern projiziert werden).


Mit dem Film erschien ein weiteres, die bisherige Entwicklung revolutionierendes Medium im Unterricht der Schulen. Es wird in der Ausstellung mit einigen Lehrfilmen aus den dreißiger Jahren, den sechziger Jahren und schließlich der jüngsten Zeit dokumentiert, und zwar in einem Computerprogramm, das dem Betrachter interaktiv Möglichkeiten zur Auswahl bietet. Darüber hinaus ist zu bestimmten, festliegenden Terminen die Aufführung eines älteren Lehrfilms mit einer originalen Filmausstattung der Zeit geplant. Mit der Einführung der unproblematisch zu verwendenden Tageslichtprojektoren einerseits bzw. der Videotechnik andererseits ging auch der Einsatz dieser Medien stark zurück. Im Zeitalter der Visualisierung von Themen im Computer - die bis hin zur "virtuellen Realität" gehen kann - stellt sich die Frage nach dem Umgang mit Bildmedien und den durch sie vermittelten Informationen in neuer Aktualität.